Pjöngjang. Zur politischen Ikonografie des sozialistischen Städte- und Wohnungsbaus am Beispiel Nordkoreas

Das fotografische Projekt "Pjöngjang" untersucht am Beispiel Nordkoreas die politische Ikonografie des sozialistischen Städte- und Wohnungsbaus.

Jede Architektur trägt die ästhetische Signatur ihrer Epoche. Das Erscheinungsbild von Pjöngjang ist im besonderen Maß davon betroffen. Wie im bereits abgeschlossenen Forschungsprojektes „Sozialistische Moderne – Archäologie einer Zeit“ (Bezjak 2011) ist der Ausgangspunkt der fotografiaschen Untersuchung von Pjöngjang,  ein von Karl Rosenkranz gefasster Gedanke, den er  1853 in seinem Grundlagenwerk „Ästhetik des Hässlichen“, formulierte: „Hässlichkeit ist nicht die bloße Abwesenheit von Schönheit, sondern ihre positive Negation.“

Die nordkoreanische Hauptstadt war nach dem Koreakrieg nahezu vollständig zerstört und bot Architekten und Stadtplanern die Möglichkeit, eine Musterstadt der sozialistischen Bauweise zu errichten. Im Zuge der Rehabilitierung der Ostmoderne in Europa, die eine Anerkennung  und Wertschätzung der städtebaulichen und künstlerischen Leistung mit sich bringt, rückt auch das entfernet Pjöngjang wieder in den Fokus.  Die  internationale Isolation der Demokratischen Volksrepublik Korea führte seit den 1980er Jahren zu einer Stagnation der Bautätigkeit und damit zu einer Konservierung der sozialistischen Baukultur. Erst in den letzten Jahren setzte ein,  an asiatischer Metropolen orientier Bauboom ein, der aber das geschlossene Stadtbild  der Nachkriegsmoderne in Pjöngjangs nicht verändert hat.

 

Über das isolierteste Land der Welt gibt es einige wenige fotografische Publikationen. Zu nennen sind: North Korea 2006, Philippe Chancel (Fotograf), Michel Poivert, Jonathan Fenby (Autoren), Thames & Hudson, 2006; The Ministry of Truth: Kim Jong-Il’s North Korea, Christian Kracht (Autor), Eva Munz, Lukas Nikol (Fotografen), Feral House, 2007. Beide Publikationen widmen sich in Bild und Wort der Stadt Pjöngjang. Andreas Gursky verarbeitet 2007 in seiner Werkgruppe Pyongyang I bis V die Massenfestspiele Arirang. Erst kürzlich erschien ein Architekturführer über Pjöngjang eines Berliner Architekten: Pyongyang. Architectural and Cultural Guide, Philipp Meuser (Autor), DOM publishers, 2012. Zwei weitere Fotobücher zeigen Analogien zwischen Nord- und Südkorea auf: Korea – Korea, Dieter Leistner (Fotograf), Klaus Klemp, Hehn-Chu Ahn, Matthias Wagner (Autoren), Gestalten Verlag, 2013; Common Ground, Luca Faccio (Fotograf), Verlag für Moderne Kunst, 2013.

  • Roman Bezjak: Sozialistische Moderne, Archäologie einer Zeit, in Verb. mit der gleichnamigen Einzelausstellung im Sprengel Museum Hannover, herausgg. v. Inka Schube, Hatje Cantz, Ostfildern 2011.
  • Roman Bezjak, Kristina Hasenpflug: The Other Side. Photography from Eastern Europe, Vorwort in der gleichnamigen Buchpublikation der Wüstenrot Stiftung, Kehrer, Heidelberg 2012, S. 4–7.
  • Roman Bezjak: Dokumentarfotografie im Plural, in Gottfried Jäger, Enno Kaufhold (Hg.): Die Bielefelder Schule. Fotokunst im Kontext, Kehrer, Heidelberg, 2015, S. 119 – 136.
  • Roman Bezjak: Sozialistische Moderne, in ZOOM! – Architektur und Stadt im Bild. Katalog – München, Architekturmuseum, (Hg) Andres Lepik und Hilde Strobl, München 2015.