Wohnen à la Mode. 1929-1943

Das Projekt „Wohnen à la Mode“ beschäftigt sich mit Inszenierungen des Wohnens in Modezeitschriften, schwerpunktmäßig kurz vor und während der Regierung der Nationalsozialisten.

Damenzimmer in einer Altbau-Mietwohnung, Farbabb. 5 aus: Heinrich und Marga Lützeler, Unser Heim, Bonn 1939
Tischformen. Bücherschrank mit Tisch und Stühlen von Hermann Gretsch. Abb. 178 aus: Heinrich und Marga Lützeler, Unser Heim, Bonn 1939

Seit Ende des 18. Jh. erscheinen im deutschsprachigen Raum regelmäßig Modejournale, die nicht nur über Kleidung, sondern auch programmatisch über zeitgenössische wünschenswerte oder vorbildliche Lebensformen berichten, incl. Wohneinrichtungen und deren Zubehöre. Als Illustrationen dienten lange Zeit colorierte Kupferstichbeilagen oder ins Layout eingefügte Tiefdrucke. Erst im 20. Jahrhundert etablierte sich die Fotografie als bildgebendes Medium in solchen Magazinen. Vor allem im Zeitalter des Nationalsozialismus ging es nicht länger darum, „gelungene“ Beispiele zu geben, sondern durch die Gegenüberstellung von „richtig“ und „falsch“/ „gut“ und „böse“ oder gar „gesund“ und „krank“ zum wahren deutschen Wohnen zu erziehen.

Der Beitrag plant zunächst einen kurzen einführenden Überblick über die Entwicklung der Präsentation von Wohneinrichtungen und -realitäten in Modezeitschriften. Ein Schwerpunkt wird dann auf den Jahren 1929-1943 liegen, ausgehend vom ersten Erscheinen der Zeitschrift die neue linie und bis zum kriegsbedingten Einstellen der deutschen Mode- und Unterhaltungszeitschriften. Es wird zu beschreiben sein, welche Kompositionen und Blickwinkel die Urheber wählen und welche Bildästhetiken dabei entstehen. Handelt es sich um schematische oder „freie“, evtl. experimentelle Bilder? Sind die Bilder überwiegend dokumentarisch oder auch künstlerisch? Wirken die Aufnahmen authentisch oder arrangiert? Wie ändern sich Bildsprachen und -inhalte nach 1933, wenn es fortan darum geht, eine doktrinäre „Wohnpädagogik“ und „Geschmackserziehung“ in populären Medien sowie einer umfänglichen Ratgeberliteratur zu implementieren? Welche Verstärkung der beabsichtigten Bildwirkungen ergibt sich durch beschreibende, kommentierende – oft genug polemische – Texte? Solche und weitere Fragen sollen u.a. an Beispielen aus den Periodika „Die neue Linie“ (1929-1943), „Die Dame“ und „die Mode“, ebenfalls jeweils für den Zeitraum von etwa 1929 bis etwa 1943, erläutert werden. Ergänzend werden Texte und Bilder aus der zeitgenössischen Übersichtsliteratur vor und nach der Machtergreifung (u.a. Gustav Adolf Platz, „Wohnräume der Gegenwart“, 1932, Werner Graeff, „Jetzt wird Ihre Wohnung eingerichtet“, 1933 im Gegensatz etwa zu Heinrich Lützeler, „Unser Heim“, div. Auflagen bis in die 1950er Jahre oder verschiedene Schriften von Alfons Leitl seit 1933) analysiert.

Eine monographische Untersuchung zur spezifischen Fragestellung der Vermittlung von Wohnen als Lebensform unter Aspekten des modischen Wandels in Medien der Mode liegt bislang nicht in gedruckter Form vor, so dass sich hier eine Forschungslücke schließen lässt.

Soweit möglich, sollen die Arbeits-Biographien der FotografInnen geklärt werden; in diesem Zusammenhang ist zu prüfen, welche Position die Raumaufnahmen im Gesamtwerk der FotografInnen haben.