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Pretty Good Privacy. Bilder des Privaten in der Fotografie

Das Teilprojekt „Pretty Good Privacy“ beschäftigt sch mit Räumen und Architekturen des Privaten.

Axel Grünewald
Bankett #086
2009–2013
Axel Grünewald
Bankett #079
2009–2013

Es knüpft an Fragestellungen an, die aus einer vorangegangenen Forschungsarbeit resultieren: Das Projekt „diesseits – jenseits“ widmete sich vor dem Hintergrund der Wanderungsbewegungen vom afrikanischen Kontinent in Richtung Europa der Betrachtung sozialer und kultureller Räume in den Küstenregionen beidseitig der Straße von Gibraltar. Unter anderem standen hier unterschiedliche architektonische Phänomene im Fokus, die als Zeichen des Transitorischen, der Entindividualisierung und des Verlustes von Heimat, aber auch des Privaten gesehen werden können. In dem aktuellen Projekt wird über die Untersuchung der Form hinaus eine weitergehende bildnerische Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Raum verfolgt, in welchem die Bedingungen des Wohnens und Behaustseins bestimmt und erzeugt werden. Die kleinste Zelle im Organismus einer Gesellschaft ist der Raum des Privaten – ein geschützter Bereich, in dem jeder Mensch das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit unbehelligt von äußeren Einflüssen wahrnehmen kann. Die kollektive Verstädterung unserer Gesellschaft ebenso wie die zunehmende individuelle Vereinzelung haben die Strukturen des Privaten manifestiert. Jedoch führen neue Konzepte der Kommunikation zu seiner Veränderung. Gefördert durch die Möglichkeiten ihrer medialen Betrachtung, nicht zuletzt durch die Fotografie, hat sich unser Umgang mit Privatheit in den letzten Jahren radikal gewandelt. Durch die vorbehaltlose Zurschaustellung des Privaten in den Netzwerken der digitalen Kultur befinden wir uns in einer Situation, in der von seiner Auflösung gesprochen wird. Daneben ist eine Bewegung des Eskapismus zu beobachten, ein Rückzug aus dem öffentlichen Leben, weil man sich den Herausforderungen eines sich stetig beschleunigenden Daseins nicht mehr stellen möchte oder kann und stattdessen nach Rückzugsräumen sucht, die Unerreichbarkeit, Abschottung und Konzentration auf das Selbst bieten.

Das Teilprojekt, das über seine Laufzeit von verschiedenen fotopraktischen Seminare flankiert wird, soll sich wie die Seminare in bildnerischer Betrachtung und Auseinandersetzung mit verschiedenen Aspekten des Privaten befassen, den Behausungen und Kokons, in denen es gelebt wird und seinen Ausdruck findet. Es soll untersucht werden, wie Privatheit heute wahrgenommen und dargestellt wird, welche neuen Räume sie sich aneignet, aber auch wo ihre Grenzen sind und wodurch und an welchen Stellen sie gefährdet ist.